Liebes Friday Magazine

Na, alles gut bei euch? Du, sorry ich fall gleich mit der Tür ins Haus. Heute muss ich mal ein bisschen meckern.Ich verstehe, dass ihr euren Mitarbeitern Lohn zahlen wollt und auch dass ihr ein Magazin seid, bei dem sich alles rund um die Oberfläche dreht. Ich verstehe ebenfalls als Bloggerin, dass man sponsored content bringt.

Bringt mir einen Stuhl, bitte!

Trotzdem bin ich letztens als ich mir nichtsahnend und mit guter Laune mal ein paar Star Styles auf dem grünen Carpet anschauen wollte, fast vom Stuhl gekippt, als ich gesehen habe für was ihr jetzt Werbung macht. Moment, ich muss mich kurz hinsetzen. Ihr werbt jetzt.

Für Brustimplantate. Brustimplantate. Einfach so. Brustoperationen. Wenn man sich nämlich jetzt für ein Beratungsgespräch anmeldet, kann man für 100.- CHF statt für 200.- CHF mit einem Facharzt sprechen. Sorry kann’s nöd anders sagen. Sag mal geht’s noch? Und gibt’s dann auch noch ein Faltenserum gratis dazu sowie ein fettfreies gluten-freies Gutzi für mein Hundi? Ich weiss ich habe kein Hundi, hey noch nicht.

Ich bin wie soll ich sagen, geschockt und gleichzeitig dessen bewusst, dass meine Meinung euch nicht die Bohne interessiert, juckt oder sonst wo kratzt. Ist auch in Ordnung so. Was ich mir durch dieses Schreiben aber von Herzen erhoffe, dass Frauen den Mut und die Schönheit in sich selber wiederfinden. Dass die Frauen von heute und morgen, welche wir und unsere Zeit ja alle mitprägen, aktiv für sich und für andere einstehen und es wagen einen anderen Weg zu gehen.

Denn wenn auch nur eine (junge) Frau meinen Beitrag liest und sich für den Weg der echten (Selbst)-Liebe und gegen den Weg der „Perfektion“ entscheidet, bin ich mehr als glücklich. Ich will euch auch nichts Böses oder so und hey ich verstehe, dass ihr uns Frauen Make up in jeder Form und bis zum Abwinken Rasiergeräte, Haarfarben und Kleider andrehen wollt. Ich verstehe dass ihr uns die super-power Gesichtsreinigung von Shiseido mit auf den Weg geben wollt, und auch der gute alte Möbel Pfister hat seine Berechtigung. Aber gleich neue Möpse?

Ich muss auch kurz betonen, ich bin wirklich alles andere als prüde und komme auch nicht von einer streng-konservativen Sekte, die euch allen die Polyamourösität abstreitig machen möchte, ich hab auch ganz und gar nichts gegen Brüste. Im Gegenteil. Ich mag Brüste, ich finde sie wunderschön in allen Farben und Formen. Es ist ein wundervoller Ausdruck vom Frausein. Ich finds auch schön wenn nicht alle gleich aussehen, hey ich find’s ja auch cool wenn ich nicht wie mein Nachbar ausschaue, aber das ist meine persönliche Präferenz.

Ich möchte auch nicht sagen, dass alle Frauen mit Brust-ops daneben sind, im Gegenteil. Ich möchte euch nur, ein bisschen, wirklich nur ein kleines bisschen ins Bewusstsein rufen, dass die Bilder, die ihr für unsere heutige Jugend kreiert und streut, kritisch sind. Vielleicht wäre es auch möglich vorher abzuklären wie sich eine Teenagerin fühlt bei solcher Werbung. Man könnte sich auch folgende Fragen stellen. Gibt dies unserer Leserschaft ein bestärkendes Gefühl? Gibt dies unserer Leserschaft Halt, Kraft, Stärke und Gelassenheit ihr wahres Selbst zu leben? Es wäre echt cool, wenn ihr ein klein wenig mitüberlegt, was solche Werbung in einer minderjährigen oder grad mal eben Voll-jährigen unsicheren Teenagerin hervorrufen (können). Wohl nicht gerade der Selbstbewusstsein-BOOST des Jahrhunderts.

Welche Werte kreieren wir alle heute für morgen?

Was mich hier wirklich stört sind die Werte. Ich gehöre zwar alterstechnisch noch in euer Genre, bin aber bereits Mama einer zwei-Jährigen Tochter und daher wird wohl mein Beschützerinstinkt sowie etwas erweiterter Blickwinkel kommen. Darf ich mir etwas wünschen? Gut! Dann wünsche mir dass ihr eure Werte überdenkt. Only a little bit!

Alles hat seinen Platz. Werbung gehört dazu. It’s all right. Doch diese Werbung, diesen sponsored content geht mir zu weit. Können wir kurz eure Anspruchsgruppe antasten? Schätze mal zwischen 16 und 30 Jahren jung, weiblich und sehr am eigenen Körper sowie Beautyprodukten interessiert. Natürlich recherchiere ich entsprechend und finde Folgendes über eure Mediendaten via 20Min: Der Friday-Blog ergänzt mit seinem Fokus auf Lifestyle-Themen die Online-Themenwelt von 20 Minuten und richtet sich mehrheitlich an Frauen zwischen 14 und 34 Jahre.

Meine Wut steigt als ich 14 Jahre lese. Verfickte 14 Jahre sind die Mädels, denen ihr schon unbewusst einen Druck macht wie sie und ihre Brüste unbedingt aussehen sollen und an wen sie sich gleich in 4 Jahren wenden können bei Volljährigkeit um ihren Brustvorbau entsprechend auszubauen. Ich hätte da eine Frage: „Wie sollen sich die Mädchen von heute denn dabei fühlen und noch vielmehr wie um alles in der Welt sollen sie sich jemals in ehrliche, starke, mutige und selbstsichere Frauen entwickeln, wenn sie umzingelt von nur optischen Werten aufwachsen?“

Natürlich dürft ihr mit der Argumentation des Todesschlags kommen, die ja meint, dass jede Frau selber entscheiden darf was sie mit ihrem Körper macht. Und Emanzipation ist eben jede Form von freier Entscheidung anzunehmen, auch wenn diese nicht unbedingt im eigentlichen Sinne für die Emanzipation steht.

Mag gut sein und trotzdem haben wir alle eine Verantwortung. Jeden Tag. Ich habe nämlich noch eine Frage: Kann man als junge Frau überhaupt fernab von dem Druck aufwachsen und sich in eine Richtung entwickeln, die körpertechnisch gesund und gut ist? Wie kann man denn objektiv und neutral wählen ob man die Brüste vergrössern will, wenn einem das Bedürfnis eine Brust-op zu brauchen quasi von überall her unbewusst und bewusst aufgedrängt wird?

Mit jedem Produkt das wir kaufen kreieren wir unsere Zukunft. Mit jedem Wert den wir vorleben, kreieren wir unsere Zukunft. Und wenn sich unsere Zukunft (nur noch) um Brüste und Makeup dreht, hilft selbst die positivste rosa-roteste Brille nicht mehr weiter.

Ich will sagen, wir sind alle Menschen. Wir sind verletzlich. Wir sind unsicher. Wir haben Angst, dass man uns so nicht mag wie wir wirklich sind. Ich weiss ihr wusstet das schon, doch ich finde auch wenn ihr die heutige- so- schnell- lebende- social-media-Jugend verkörpert und repräsentiert, habt ihr trotzdem eine Verantwortung. Es ist die Verantwortung, die den Jugendlichen und Jungen von heute auch gute Werte mit zu geben. Und da darf Makeup auf jeden Fall Teil davon sein, aber wie wäre es mit folgenden Ergänzungen? Echte Liebe, Dankbarkeit, Offenheit, Glück, Wissen, Fairness, Respekt, Vertrauen, Ehrlichkeit, Familie, Toleranz, Menschlichkeit, Miteinander, wirkliche Freiheit, Empathie und Freundschaft? 

 

Mit den besten Grüssen,

D.

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