Ich habe einen Mutterkomplex und du?

Ich habe einen Mutterkomplex und du?

Jep. Richtig gelesen. Einen Mutterkomplex. Zwar ein positiver Mutterkomplex aber doch ein Komplex.

Das heisst konkret Folgendes: Ich fühle mich von Mutterfiguren menschlich “angezogen” und möchte es ihnen recht machen. Ich möchte gelobt, geliebt und anerkannt werden. Insbesondere von ihnen. Von den Müttern in meinen Leben. Diese Mütter können Gestalt annehmen auf jede nur erdenkliche Art und Weise. Sie können als beste Freundin kommen, die ich verehre. Sie können als Mutter eines Freundes da sein, sie können als Geschäftspartnerin dastehen, sie können als Bekannte oder Nachbarin auftreten. Es sind einfach immer Frauen, die in mir den Wunsch wecken von ihnen gesehen und geliebt zu werden.

Und falls es mal zu einer Situation kommt, die einem Konflikt nahe kommen könnte, werde ich total nervös. Ich habe Angst, dass sie mich nicht mehr gern hat, dass ich zu viel verlange, undankbar bin, das Falsche sage, dass ich von ihr nicht mehr geliebt werde etc.

Tough Shit, oder?  Einmal erkannt hilft es ehrlich darüber zu sein mit sich selber und den Personen mit denen man über solche Sachen spricht.

Wir sind alle programmiert. Durch Muster. Muster entstehen um Prozesse zu vereinfachen. Um das Leben einfach(er) zu gestalten. Unsere Muster tragen wir seit (wahrscheinlich) Jahrzehnten in uns herum. Jahrelang war ich offenbar darauf programmiert eine Mutterfigur zu verehren. Es ihr recht zu machen. Alles dafür zu tun um von ihr gesehen und anerkannt zu werden. Und obwohl ich jetzt kein kleines Kind mehr bin, ist dieses Muster noch fester Bestandteil meines Seins. Auch wenn ich bald 30 Jahre alt bin, habe ich Angst davor, dass mich jemand (in Form einer Frau) nicht mögen könnte. Schräg oder? Ich als erwachsene Frau kann klar sagen, dass es mir so ziemlich an meinem Allerwertesten vorbeigeht wenn mich eine dieser Frauen in meinem Leben nicht liebt. So what? Ich liebe mich ja selber und muss gar nicht von allen geliebt werden um dieses Leben hier glücklich zu leben, oder?

Beziehungen zu Frauen waren für mich noch nie richtig leicht. Meine Programmierung sagt mir ja, dass diese Beziehungen schwer sind, dass ich nicht geliebt werden kann von Frauen (ausser ich verhalte mich so und so) etc. Und nun ist es für mich an der Zeit dieses Muster abzulegen.

Immer wieder werde ich gefragt, ja wie lässt man denn jetzt etwas los? 

Wie kann ich etwas aktiv machen, dass ja eigentlich passiv ist? Für mich handelt es sich hier klar um folgende Schritte:

  1. Ich erkenne mein Ding. Mein Thema. Meine Verletzungen. Wie oben beschrieben habe ich das getan. Mein Ding ist es: Ich will von einer Mutterfigur geliebt werden und habe Angst, dass ich dessen nicht wert bin.
  2. Ich akzeptiere mein Ding. Es ist okay, dass es so ist. At least for now. Es ist okay, dass ich so fühle. Ich gebe mein Bestes in dem was ich fühle. Ich darf so fühlen.
  3. Ich entscheide neu. Mit Bewusstsein Muster hinterfragen. Will ich wirklich mein Leben danach richten was gewisse Frauen über mich denken? Muss ich mein Leben danach richten? Muss ich all den Frauen, denen ich (also mein kleines Kind) so gerne gefallen will, wirklich gefallen? Wäre es nicht schöner wenn ich einfach für das geliebt oder eben gehasst werde für das was ich wirklich bin? Ist authentisch leben nicht genau das? Wo liegt meine Priorität? Ich habe entschieden das meine auf Authentizität liegt.
  4. Ich umarme mein kleines inneres Kind. Das das so viel Liebe braucht und das das sie noch heute bei anderen holen will. Ich gebe mir die Liebe, die ich brauche. Ich versichere ihm das ich es immer liebe auch wenn andere mich eben nicht lieben. Ich mache die Liebe für mich selber nicht davon abhängig was andere Menschen denken. Jeder ist in seiner Story.

Ob der Komplex jemals wirklich weg geht, sich in Luft auflöst oder mich irgendwann richtig kalt lässt? Ist das noch relevant wenn ich ja weiss das es ihn gibt und ihn fühlen kann?

Ich glaube nicht das wir Gefühle “heilen”. Ich glaube Gefühle heilen uns! 

Vielleicht hast du ja auch ein Mutterkomplex, ein Vaterkomplex (hello daddy’s girl?) oder bist generell ein Peoplepleaser? Let me know wenn du willst.

“It is better to be hated for what you are than to be loved for what you are not.”

André Gide, Autumn Leaves

In diesem Sinne

bewho

und an alle Mamas die das lesen. Versucht wenn immer möglich euren Kindern so viel unconditional love wie nur möglich mitzugeben. <3



2 thoughts on “Ich habe einen Mutterkomplex und du?”

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *